Wer würde es gutheißen, eine von Wurmfraß gefährdete gotische Madonnenfigur nur digital zu fotografieren und sie anschließend ihrem Schicksal zu überlassen?
Die Befürworter der Originalerhaltung von Schriftzeugnissen sehen sich jedoch gelegentlich mit wohlfeilen Patentrezepten konfrontiert: statt zeit- und kostenaufwändig fragile Originale zu restaurieren, könne man die Zeugnisse der Nationalkultur schnell und preiswert digitalisieren. Die historischen Inhalte seien somit archiviert und optimal verfügbar.
Diese Sichtweise vernachlässigt folgende, der Allianz besonders wichtige Aspekte:
Das Digitalisat eines Originals ermöglicht die weltweite Verfügbarkeit eines Teils seiner Merkmale und Aussagen - aber nur der Originalerhalt sichert dauerhaft die Möglichkeit historischer Einordnung und wissenschaftlichen Verstehens. Die Digitalisierung leistet einen wertvollen Beitrag zur Bestandsschonung und erleichtert die Zugänglichkeit: Was digital vorliegt, muss nur noch in besonderen Fällen im Original bereitgestellt werden und kann in virtuelle Forschungsumgebungen integriert werden. Die realen Studien- und Forschungsorte, das Archiv und die Bibliothek, gewinnen an Attraktivität, weil hier mit den Originalen gearbeitet werden kann.
Originalerhalt und technische Reproduktion ergänzen sich hervorragend und sind deshalb differenziert einzusetzen. Die Handlungsempfehlung der Allianz lautet: »Originalerhaltung und Digitalisierung«.

Folgende Einrichtungen bilden die Allianz:
Vertreter folgender Institutionen nehmen an Sitzungen teil: