… resultieren aus der Beschaffenheit der Materialien (Papier, Tinte, Farben). Der natürliche Alterungsprozess organischer Stoffe wird durch chemische Reaktionen beschleunigt und kann das Material zerstören. So führt die Verbindung von Eisen-Gallustinte mit Feuchtigkeit zur Bildung von Schwefelsäure, die den sogenannten Tintenfraß auslöst und damit sukzessive zum Herausbrechen der Schrift und der durch sie transportierten Information führt. Ein besonders prominentes Beispiel hierfür sind die Notenhandschriften Johann Sebastian Bachs in der Staatsbibliothek zu Berlin, die im Rahmen des »Bach-Patrimoniums« inzwischen restauriert werden konnten.
Mit der industriellen Papierproduktion seit 1850 enthält das Papier säurebildende Substanzen, die zu seinem Zerfall führen. Dieser Prozess kann nur durch eine rechtzeitige Neutralisierung (Entsäuerung) oder durch andere Verfahren (wie die Papierspaltung) gestoppt werden.
Die Behandlung muss alle Unikate und zumindest eine vollständige Serie des gedruckten Bibliotheksguts aus der Zeit zwischen 1850 und 1990 erfassen. Von den insgesamt mehr als 1,6 Mio. Regalmeter ausmachenden Beständen der staatlichen Archive in Deutschland stammen etwa 60 Prozent, d.h. ca. 960.000 Regalmeter, aus diesem Zeitraum. Bei einer durchschnittlichen Anzahl von 10.000 Blatt pro laufendem Meter sind folglich etwa 9,6 Milliarden Blatt auf diese Weise zu behandeln. Dazu kommt der sonstige Restaurierungsbedarf, der für etwa 10 Prozent der Gesamtmenge an Archivgut besteht, also für ca. 160.000 Regalmeter.
In den deutschen Bibliotheken weisen mehr als 60 Mio. Druckschriften Schäden auf. Davon gilt ein Drittel als schwer geschädigt. Zahlreiche Bücher, Zeitschriften und Zeitungen sind im Original nicht mehr benutzbar.
Die vergleichsweise geringen Kapazitäten in Archiven und Bibliotheken sind zu großen Teilen durch Anforderungen aus der Benutzung gebunden. Für systematische Schutz- und Restaurierungsmaßnahmen sind Archive und Bibliotheken auch auf Dienstleister und diese wiederum auf kontinuierliche Aufträge angewiesen.
… resultieren aus unzureichenden Lagerungsbedingungen, Umwelteinflüssen und starker Benutzung.
Unzureichende Lagerungs- und raumklimatische Bedingungen in der Vergangenheit haben zu bis heute nicht behobenen Schäden geführt. Die Unterbringung in Räumen mit hoher Luftfeuchtigkeit und je nach Jahreszeit schwankenden Temperaturen führt unweigerlich zur Schimmelpilzbildung. Was lange harmlos scheint, weil Schimmelpilze in vielen Lebensbereichen Teil des Alltags sind, ist tatsächlich höchst gefährlich, denn ab einer bestimmten Grenze breitet sich solcher Befall geradezu explosionsartig aus und bedroht ganze Bestände in ihrer Existenz. Weitere Altschäden vom Mäusefraß bis zum Insektenbefall und Immissionen aller Art kommen vielfach hinzu und erhöhen den Restaurierungsbedarf beträchtlich.
Dramatisch sind Schäden, die durch Kriegseinwirkungen, Brände oder Wassereinbrüche größeren Ausmaßes verursacht wurden. Es mag hier genügen, nochmals an den Brand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar 2004 oder die zahlreichen Überschwemmungen im Zuge des Elbehochwassers 2002 zu erinnern, um einen Eindruck von der Dimension der dadurch entstandenen Schäden zu bekommen. Wegen unzureichender Ressourcen leiden viele Archive und Bibliotheken in Deutschland noch immer unter Brand- und Wasserschäden aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Wichtige Bestände wie die im Frühjahr 1945 durch Löschwasser geschädigten Handschriften der Sächsischen Landesbibliothek Dresden oder die 1946 vom Leinehochwasser überschwemmten Akten der napoleonischen Zeit im Hauptstaatsarchiv Hannover sind daher auch Jahrzehnte später noch unbenutzbar und damit der Forschung entzogen.
Schließlich sind hier die Schäden zu nennen, die durch Benutzung und Verschleiß zustande gekommen sind: Gebrochene Einbände und aufgelöste Bindungen, ein- und ausgerissene, verknickte, abgegriffene, verschmutzte oder auf sonstige Weise beeinträchtigte Blätter bilden das typische Erscheinungsbild derartiger Schäden.

Folgende Einrichtungen bilden die Allianz:
Vertreter folgender Institutionen nehmen an Sitzungen teil: